Authentizität – wann sind wir echt?

Welche Farbe nimmt ein Chamäleon an, wenn es nur sich im Spiegel sieht? An was passt es sich an, wenn keine Umgebung vorhanden ist? Der Publizist Kevin Kelly berichtete, wie sich eine chamäleonartige Anolis-Echse im Spiegelkabinett verhielt. Sie wechselte von braun auf grün – der Farbton, den sie bei Schreckreaktionen zeigt.

Also purer Stress vor sich selbst. Was soll nun diese skurrile Einführung? Es geht um das Thema Echtheit. Wer sind wir und wann sind wir „echt“?

Was bedeutet Authentizität?

Der Begriff stammt aus dem Griechischen: „authentikós“ – „echt“. Authentisch zu sein bedeutet also, sich als echt zu empfinden und auch von anderen so empfunden zu werden. Authentisches Handeln wird nicht von äußeren Einflüssen bestimmt, sondern von der Person selbst entschieden. Synonym zur Authentizität kann man beispielsweise die Begriffe Echtheit, Integrität, Glaubwürdigkeit verwenden. Das Gegenteil von Authentizität ist Inszenierung.

Wie wirkt man authentisch?

Kommen wir noch einmal auf das Chamälion-Experiment zurück. Dieses Beispiel soll aufzeigen, dass es gar nicht so leicht sein kann, immer „echt“ zu sein. Wir nehmen in unserem Alltag viele verschiedene Rollen an: Im Büro sind wir der Zuverlässige, unter Freunden die Lustige, in der Familie der Liebevolle und so weiter. Wir haben viele unterschiedliche Seiten in unser Identität vereint, doch bedeutet das auch, wir sind nicht authentisch sobald wir eine Rolle einnehmen?

Um authentisch zu wirken, brauchen wir eine starke Kongruenz von der Selbstrepräsentation und dem Handeln. Das bedeutet, das Gesagte passt zum Non-verbalen. Diese Kongruenz können wir aber auch erschaffen, wenn wir eine Rolle einnehmen. Der Zuverlässige zu sein ist ein Teil der individuellen Persönlichkeit. Es heißt weder, dass wir nur diese Eigenschaft besitzen, noch dass wir diese spielen.

Dafür ist es wichtig, dass Rollenklarheit herrscht. Wenn man innerhalb einer Rolle hin und her switcht ist das für sich selbst und für Gesprächsteilnehmende überaus verwirrend und wirkt „unecht“. Neben der eigenen Rollenklarheit sollte allerdings auch klar markiert werden, aus welcher Rolle gerade kommuniziert wird.

Authentizität in der Kommunikation

Besonders in direkter Kommunikation mit anderen ist Authentizität von großer Bedeutung. Ein zentraler Aspekt dabei ist, dass eine authentische Haltung ein stressfreies Äußern bedeutet. Wie das Chamäleon im oben genannten Experiment verursacht es bei uns Stress, wenn wir nicht genau wissen, wer von unseren Rollen nun gerade spricht. Rollenklarheit schafft Sicherheit, was Stress in der Kommunikation erst gar nicht aufkommen lässt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Ehrlichkeit oder Aufrichtigkeit im Gespräch, denn das fördert die Echtheit. Das Echtsein, gehört neben einfühlemden Verstehen und Wertschätzung zu den Grundhaltungen einer guten, beziehungsfördernden Kommunikation, nach Carl Rogers (Begründer der Gesprächspsychotherapie).

Ehrlichkeit ist aber nicht gleichzusetzen mit übertriebener Offenheit. Die gegenüberstehende Person muss nicht alles von uns kennen, um uns als ehrlichen Menschen anzusehen. Hierbei ist wieder die Kongruenz von Präsentation und Handeln im Vordergrund. Was die Offenheit angeht postuliert Ruth Cohn (Begründerin der Themenzentrierten Interaktion) sehr treffend: „Nicht alles, was echt ist, will ich sagen, doch was ich sage, soll echt sein!“

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